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Die öffentliche Ausschreibung

Inhaltsverzeichnis

Haben Sie schon einmal ein 300-seitiges Dokument, an dem Sie einen Monat lang gearbeitet haben, in einer (gefühlte) 5 Kilo schweren Mappe für eine Ausschreibung eingereicht, nur um dann zu hören:

„Tut uns leid, wir haben einen anderen Anbieter ausgewählt, der besser gepasst hat.“

Das ist eine echte Qual, vor allem, wenn man keine weiteren Details erhält.

Eine Ausschreibung ist manchmal der einzige Weg für große Unternehmen, Institutionen und Organisationen, ihre digitalen Projekte voranzubringen. Aber die Realität ist, dass diese Art der Anbieterwahl Flexibilität, Innovation und Zukunftsfähigkeit im Keim erstickt.

Wie können wir also den Weg der öffentlichen Ausschreibung so innovieren, dass sie den Ansprüchen an Technologie und Innovation gerecht wird?

 

 

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Im Virtual Frontier Podcast analysierten Baddy Sonja Breidert , Rouven Volk und Johanna Anthes die Herausforderungen und Möglichkeiten des derzeitigen öffentlichen Ausschreibungssystems und diskutierten Ideen, wie man es für alle Seiten bessermachen könnte.

In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse, die gravierendsten Nachteile und potentielle Schritte zur Neugestaltung der Prozesse rund um öffentliche Ausschreibungen zusammen.

Es gibt natürlich Gründe, warum wir öffentliche Ausschreibungen organisieren – die pflichtgemäße Verwendung von Steuergeldern ist einer davon.

Doch Technologie ändert sich schnell. In einem solchen Umfeld funktionieren Ausschreibungen nicht immer, denn: Das Ausschreibungsverfahren geht wenig auf die nötigen Anforderungen an digitale und agile Projekte ein.

 

Die 13 häufigsten Nachteile öffentlicher Ausschreibungen

1. Die Projektplanung wird VOR der Veröffentlichung der Ausschreibung durchgeführt.

Unternehmen treten mit bestimmten Anforderungen an Agenturen und IT-Partnern heran – und binden ihnen somit schon im Vorfeld die Hände.

Die meisten öffentlichen Ausschreibungen finden somit gewissermaßen zu spät statt.

Monatelange Vorbereitungen und Planungen von Behörden und öffentlichen Einrichtungen gehen letztendlich verloren, weil die technischen Anforderungen zum Zeitpunkt des eigentlichen Ausschreiben bereits veraltet sind.

Viele Teams aus diesen Unternehmen arbeiten sich monatelang durch Themen zu technischen Anforderungen, Meilensteinen und Schätzungen, obwohl diese weder zum Kenntnisstand noch Aufgabenbereich dieser Teams zählen – und eben auch nicht zählen müssen.

2. Die Anforderungen richten sich nach einem perfekten  Projekt.

Anstatt eine passende Dienstleistung zum Erreichen gesetzter Ziele im Marketing, Vertrieb oder zur Prozessoptimierung zu verlangen, fordern Behörden und Unternehmen in der Regel ein ganzes Projekt, dessen Abschluss dann wunderbarerweise alle Probleme löst und alle Ziele erreicht.

Diese große Gesamtlösung muss für alle Geschäftsbereiche geeignet und in Bezug auf Zeit, Budget und Umfang „perfekt“ sein.

Doch so funktionieren digitale Projekte nicht. Vielmehr geht es darum, mit der geeigneten, kompetenten Agentur die richtige Strategie zum Erreichen gesetzter Ziele für Unternehmen und Zielgruppen auszuarbeiten und dann durch Entwicklung und Technik in die Tat umzusetzen.

3. Anbieter müssen sich zu einem festen Zeit- und Kostenrahmen verpflichten.

Ausschreibungen beginnen in der Regel mit einem internen Kick-off-Workshop zur Besprechung der Anforderungen und Anbieter-Auswahlkriterien, meist in enger Zusammenarbeit mit dem internen Einkauf.

Das Irrsinnige: Meist erfährt ein Dienstleister erst  nach  Zusage alle Details aus diesem und weiteren Workshops – also nachdem er sich zur Ausschreibung verpflichtet hat und rechtlich für deren Durchführung verantwortlich ist.

Der Schwerpunkt liegt auf den Funktionen und den detaillierten Projektanforderungen – und nicht auf den Zielen des Unternehmens und der Zielgruppe.

Die Praxis hat es oft genug gezeigt: Anfängliche Festpreis-Angebote müssen nachkorrigiert werden, Budgets neu angefragt und Konzepte völlig überholt werden.

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4. Unternehmen ohne (technische) Expertise bereiten ein Konzept vor.

Wie weiter oben bereits erwähnt arbeiten viele Teams völlig themenfremd oft monatelang daran, ein Konzept in umsetzbare Anforderungen umzuwandeln.

Oftmals sind diese jedoch einseitig ohne technische Perspektive dargestellt. Wie soll ein Unternehmen aus dem Einzelhandel auch über die nötige technische Expertise verfügen, um ein seitenlanges Konzept zu schreiben?

Unternehmen verlieren nicht nur Monate, bis ein Projekt starten kann, sondern muten ihren Mitarbeiter:innen auch Aufgaben zu, für die ja eigentlich ein passender Dienstleister gesucht wird.

5. Kunden laden Außenstehende ein, um Anforderungen zu klären.

Die ausschreibenden Unternehmen dürfen sich nicht direkt an Anbieter wenden, ohne dass ein Ausschreibungsverfahren durchgeführt wird.

Aufgrund der fehlender Expertise (siehe vorangegangen Punkt) müssen sich viele Teams aber an technisch versierte Personen wenden, die oftmals nicht im eigenen Unternehmen zu finden sind.

Es werden externe oder zumindest bereichsfremde Berater:innen hinzugezogen.

Diese Berater:innen sind jedoch nicht direkt am Projekt beteiligt, sodass ihre Schätzungen oft nicht den gesamten Rahmen oder die gewünschten Ziele und Zielgruppen-Bedürfnisse berücksichtigen können.

So entsteht schnell ein Flickenteppich, der kein einheitliches Bild erkennen lässt.

6. Der Projektumfang gerät aus dem Fokus, weil zu viele Meetings zur Klärung der Anforderungen stattfinden.

Den perfekten Projektplan VOR Beauftragung eines Experten-Dienstleisters zu erstellen, ist nicht möglich.

Schließlich beauftragen Unternehmen doch andere Agenturen und Dienstleister, weil Ihnen etwas fehlt, warum also ohne dieses Know-how bereits essentielle Entscheidungen treffen?

Denken Sie daran: Es geht nicht darum, ein veraltetes System 1:1 in ein neues technisches Gewand zu hüllen. Es geht darum, (neue) Ziele und Bedürfnisse der Zielgruppe und des Unternehmens durch Technologie zu erreichen und zu lösen.

7. Als wichtigster Faktor bei der Auswahl des Anbieters wird der Preis genannt.

Disclaimer: Natürlich ist der Preis ebenfalls wichtig. Er entscheidet, ob ein Unternehmen ein Projekt umsetzen kann oder ob die gesamte Planung neu überdacht und neu priorisiert werden muss.

Nicht selten wird ein niedriger Preis jedoch zum Zuschlagskriterium.

Diese Kunden schauen dann nicht auf Strategie, Auswahl der passenden Technologie, Setup des bestmöglichen Teams und genügend Zeit für Testphasen.

Die Folge: (Böse) Überraschungen bei der Lieferung limitierter Ergebnisse oder ständige Kommunikation zu neuen Erwartungen, die den Projektumfang sprengen.

„If the price is only weighted for maybe 20% – and 80% is actually for what we bring as an innovative solution – then maybe you will get out what you need from the public tender.“

Baddy Sonja Breidert | CEO of 1xINTERNET

 

8. Unternehmen investieren hohe Aufwände in die Vorbereitung von Ausschreibungen.

Das Ergebnis monatelanger Gespräche, Anforderungslisten und nicht selten Design-Beispielen kann dennoch ins Leere laufen, wenn die Erwartungen deutlich über ein gesetztes Budget hinaus- oder völlig an der Zielgruppe vorbeischießen.

Manchmal verbringen Unternehmen 500 Stunden mit der Angebotserstellung und der Beantwortung von 150 Fragen. Der Prozess ist mühsam und muss vereinfacht werden. Sie stecken all diese Arbeit in den Prozess, und am Ende kommen nur drei Unternehmen in die Schlussbesprechung, um ihre Leistungen zu erbringen und konkrete Vorteile aufzuzeigen.

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9. Öffentliche Organisationen haben emotionale Bindungen zu bestehenden Partnern.

Es ist schnell zu kompliziert und langwierig, in einem so langen und komplexen Ausschreibungs-Prozess einen neuen Partner aus einem Dutzend Anwärter:innen zu wählen.

Daher ist es für viele Kunden am einfachsten, sich für die alte Lösung und die alten Kooperationspartner zu entscheiden, obwohl genau dieser Kreislauf unterbrochen werden sollte.

 

10. Die Diskrepanz zwischen zwei entscheidenden Faktoren: Preis und Technologie

Wenn nur der Preis berücksichtigt wird, ist die Entscheidung leicht, wenn auch irreführend.

Wenn aber verschiedene Dienstleistungsunternehmen unterschiedliche Technologien anbieten, ist es für den Kunden verwirrend, zwischen den Optionen zu wählen.

Wie soll sich ein Bauunternehmen zum Beispiel sinnvoll zwischen einer WordPress- oder Drupal-Plattform entscheiden, wenn es nicht über die nötigen technischen Kenntnisse verfügt, um zu wissen, was besser zum individuellen Projekt passt?

Öffentliche Ausschreibungsverfahren ersticken Innovation im Keim und führen dazu, dass sich Unternehmen im Kreis drehen, um sich nicht in unbequemen Änderungen und langwierigen Auswahlverfahren zu verstricken.

Unternehmen beginnen mit Projektausschreibungen, ohne darüber nachzudenken, was sie (lesen Sie: Die jeweilige Zielgruppe) wirklich brauchen. Das ist ein gefährliches Terrain. Ihre Zielgruppe braucht nicht etwa eine Technologie, sondern eine Lösung, die, durch Technologie unterstützt, ein Problem für sie löst.

Wenn ausschreibende Unternehmen mit dem Gedanken an ein komplettes, von vorne bis hinten durchgeplantes Projekt beginnen, entsteht ein enormer Druck auf die Mitarbeiter:innen des Unternehmens und auch auf die Seite der Anbieter.

Anstatt an ein fertig durchdachtes Projekt in einem breiteren Vertragskontext zu denken, ist es besser, nach einem passenden, flexiblen und fähigen Dienstleister zu suchen, der dabei hilft, die beste Lösung für die geplanten Ziele zu finden und umzusetzen.

 

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11. Viele Änderungsanträge verlängern das Projekt und erhöhen den Preis.

Im Rahmen eines Festpreisvertrags müssen Sie einen Änderungsantrag einreichen, wenn Sie eine neue Funktion einführen möchten, die ursprünglich nicht geplant war.

Die Bindung an einen solchen Vertrag bedeutet, dass Sie Änderungen nicht sofort umsetzen können. Grundsätzlich lässt sich dagegen nichts einwenden, da es vor Willkür schützt.

Doch je größer das Projekt und die Organisation sind, desto mehr Experten müssen diese Change Requests prüfen. Am Ende verdreifachen sich die Kosten, weil man sich mit den Prozessen beschäftigt, anstatt das Ziel für den Kunden zu lösen.

Auch hier lautet der Appell: Ausschreibungen profitieren von agilen Methoden und der nötigen Flexibilität, um „hausgemachte“ Mehrkosten einzudämmen.

12. Viele Kommunikationssysteme sind veraltet.

Dienstleister und Digitalagenturen müssen sich oft mit alten Systemen, fehlenden Schnittstellen und unzureichenden Dokumentationen auseinandersetzen.

Vom ausschreibenden Kunden gewünschte Besserungen wie Automatisierung von Marketing- und Vertriebsprozessen und / oder Digitalisierung von Produktionsprozessen setzen jedoch völlig neue Tools und Systeme voraus.

Die Folge: Die ausschreibende Unternehmen werden sich bewusst, dass die Folgen ihrer Wünsche rund um das neue Projekt auch einschließen, dass über die Projektplanung hinaus interne Anpassungen in Bezug auf Kommunikation, Prozesse und Dokumentation erfolgen müssen.

Die jeweiligen Mitarbeiter:innen stoßen auf neue Herausforderungen – und Frustrationen.

13. Lokale und regionale Beschränkungen stehen der technologischen Innovation entgegen.

Ausschreibungen enthalten Vorschriften über lokale Lieferanten oder EU-Lieferanten, was den Rest der Welt und Anbieter ausschließt, die Innovationen anbieten könnten, die lokal nicht verfügbar sind.

Auch das Argument, man müsse lokal liefern, weil es schließlich um Steuergelder ginge, zieht nicht. Wenn man global expandiert, erhält man einen größeren Wert für die Steuerzahler, und das ist letztlich vorteilhafter.

Die Technologie entwickelt sich exponentiell (siehe allein die letzten zwei Jahre infolge der Pandemie), und die Regierungen wenden seit über 50 Jahren die gleiche Methode für öffentliche Ausschreibungen an.

Nun, aber genug der Probleme und Unzulänglichkeiten: Wie können wir öffentliche Ausschreibungen flexibler und zukunftsfähiger gestalten?

 

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11 Schritte zur Neugestaltung öffentlicher Ausschreibungsprozesse

Um eine bessere Alternative zu dem zu schaffen, was wir bereits haben, müssen wir das derzeitige System überdenken und neu gestalten. So weit, so gut.

Wir müssen uns fragen, was im derzeitigen System notwendig und was überflüssig ist, was allen Beteiligten hilft und was am meisten am Vorankommen hindert.

Und diese Projekte müssen auch in den kommenden Jahren noch funktionieren.

Hier ein paar Gedanken aus dem Interview mit Baddy Sonja Breidert, Rouven Volk und Johanna Anthes:

1. Alle Ziele, Wünsche und bereits erfassten Anforderungen im Voraus kommunizieren, damit alle Seiten klare Erwartungen haben.

Wir können uns nicht an einen festen Preis und Umfang halten, wenn wir innovativ sein und Veränderungen umsetzen wollen. Die Übernahme der Methoden aus dem agilen Scrum ist ein hervorragendes Gegengewicht zu starren Ausschreibungsverfahren. Hier können Planungssicherheit und Flexibilität koexistieren.

Aber wie entscheiden wir, was das richtige Gleichgewicht ist? Nicht jede Organisation sollte sich kopfüber in das beliebte Buzzword „Agiles Projektmanagement“ stürzen, ohne vorher Berührungspunkte damit zu haben.

Hier empfiehlt es sich, in kleinen Schritten intern mehr Agilität in den Teams zu integrieren, Experten dazu von außen zu konsultieren und bei der Wahl des passenden Dienstleisters den Fokus auf strukturierte, agile Projektplanung als Tugend zu legen.

2. Auf Ziele fokussieren.

Wenn wir die Kommunikation verlagern und uns auf die Ziele konzentrieren, statt Anforderungslisten herunterzubeten, ergibt sich fast von allein eine völlig neue Gesprächsgrundlage.

Anforderungen, die sich auf die Ziele konzentrieren, müssen zum Beispiel Fragen beantworten wie: Wollen wir in erster Linie ein besseres Markenerlebnis? Wollen wir mehr Kunden? Bessere Bewertungen? Handelt es sich um ein internes Projekt zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit?

Wenn die übergeordneten Ziele klar und deutlich für alle Beteiligten kommuniziert und dokumentiert (und in der Zielgruppe validiert) wurden, lassen sich die Wege, um diese Ziele zu erreichen, viel leichter und objektiver skizzieren.

3. Probleme lösen, anstatt nur mit Ideen zu experimentieren.

Ausschreibungen beginnen in der Regel mit der Idee einer Verbesserung, und während die Anforderungen spezifiziert werden, kommen neue Ideen hinzu, und die Anforderungen wachsen.

Es entstehen ganze Luftschlösser, mit etlichen Details an den Stellen, die Spaß machen (z.B. Designvorgaben erstellen) und unzureichende Beschreibungen an den komplexen Punkten.

Daher ist es wichtig, das Problem im Auge zu behalten, mit dem die Ausschreibung begann. Und dies priorisiert die Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppe.

4. Auswahlkriterien auf langfristige Kooperationen und innovatives Wachstum anpassen

Wenn das Angebot des Anbieters daran bewertet wird, ob dessen Arbeitsweise und Zugriff auf Know-how zu den Projektzielen der ausschreibenden Organisation passen, ist ein erster Schritt getan.

Natürlich zahlen Budgetplanung, zeitliche Schätzungen und auch Referenzen auf das Angebots-Konto ein – alle Komponenten sollten jedoch im Zusammenhang beurteilt werden.

Einen Dienstleister allein aufgrund der im Angebot vorgeschlagenen Technologie zu wählen, ist riskant:

Nicht die Technologie verkauft, sondern die Strategie dahinter, die durch die passende technische Lösung entsprechend umgesetzt und greifbar wird.

Wichtig: Bei Verträgen auf Stundenbasis ist es gut, eine klare Vorstellung von der Qualität zu haben, die in der Zahl enthalten sein muss. Andernfalls könnte der gesamte Prozess zu einem Spiel werden, bei dem die Unternehmen versuchen, sich gegenseitig mit niedrigen Preisen zu übertrumpfen.

5. Kooperation auf der Grundlage eines Dienstleistungsvertrags.

Dienstleistungsverträge haben gegenüber Projektverträgen mit Festpreisen drei entscheidende Vorteile:

  1. Sie helfen der Gruppe (Anbieter und Kunde), wirklich zu kooperieren und als Team, als Projekt partner zu arbeiten.
  2. Sie konzentrieren sich auf die Fähigkeiten des Anbieters und den Wert der Dienstleistungen.
  3. Sie machen Änderungen (lesen Sie: Verbesserungen) während des Projekts ohne Vertragsbruch leichter möglich.

Viele Unternehmen halten diesen Ansatz derdienstleistungsbasierten Ausschreibung oft für zu teuer.

Wenn sich jedoch der Anbieter mit einem guten und skalierbaren Service-Rahmenwerk positioniert, kann der Kunde mehr Vorteile aus einem Pool von Dienstleistungen, Fähigkeiten und auch anderen Unternehmen ziehen, von denen er in den nächsten, sagen wir fünf Jahren, profitieren kann.

Wenn dann die Beschränkungen aus lokale Unternehmen aufgehoben und remote-arbeitende Teams in Boot geholt werden, lassen sich Innovation ohne Engpässe auch in Ausschreibungsprojekten skalieren.

6. Vergütung während der Angebotsphase.

Die Anbieter werden oft gebeten, umfassende Angaben, Schätzungen und auch erste Entwürfe zu liefern. Aufgrund verschiedener Ausgangssituationen ergibt sich ein Mosaik, das schwer bis gar nicht für den Kunden vergleichbar ist.

Dienstleister müssen sich fragen: Wie viel kostet mich die Teilnahme an dieser Ausschreibung? Wie wirkt sich das auf meine Einnahmen aus? Wie viele Stunden habe ich mit der Ausarbeitung des Angebots verbracht? Wie hoch sind die versteckten Kosten langwieriger Ausschreibungsverfahren für mich?

Eine Möglichkeit der Neugestaltung wäre hier eine festgesetzte Vergütungssumme, die jedem (qualifizierten) Dienstleister zur Angebotserstellung zusteht.

7. Von anderen lernen.

Island, weiß Baddy Sonja Breidert zu berichten, ist ein Land, in dem ein schrittweiser Ausschreibungsprozess bereits etabliert ist. Dadurch können sowohl Partner, Anbieter als auch Organisationen lösungsorientiert zusammenarbeiten, indem sie nach und nach in den Ausschreibungsprozess investieren, statt direkt ein riesiges, unüberschaubares Projekt zu starten.

Die erste Runde kann beispielsweise den Bau eines Prototyps oder MVPs beinhalten, der als Grundlage für die Qualifizierung der Anbieter dient, die dann in der nächsten Runde vor einer Jury präsentiert werden.

Auf diese Weise verfügt die Regierung am Ende über einen ganzen Pool von Anbietern, die sie für die weiteren Projektphasen auswählen kann, und hat sogar erste Eindrücke in der Zusammenarbeit erhalten.

8. MVPs dem klassischen Prototypen vorziehen.

MVPs (Minimum Viable Product) enthalten zusätzliche Anforderungen, wie z. B. rechtliche IT-Fragen – Datenschutz und Sicherheit – und können einen abgerundeten Kostenvoranschlag liefern.

Als erste Iteration vermitteln MVPs eine bessere Vorstellung von dem Projekt, da sie sofort in Betrieb genommen werden können (ein Minimum Viable Product ist ein „minimal brauchbares Produkt“, also eine erste minimal funktionsfähige Iteration eines Produkts oder Projekts, die es ermöglicht, möglichst schnell aus echtem Nutzerfeedback zu lernen und so Fehlentwicklungen zu verhindern).

“That is what ongoing innovation is about. But most tender processes just have a six-figure budget, and the product has to be ready to go, for example, after one year. Then, the organization expects to keep using the product for the next five or ten years before they have to do the next public tender. Instead, they need to consider the product, something which will grow, like starting with a small tree and harvesting it and giving water and so on until it grows to be a big tree which carries many fruits.”

Rouven Volk | Digital Innovation Specialist  

 

9. Nutzerfeedback formt die Grundlage der Strategie.

Hören Sie sich an, was alle Zielgruppen sagen, die das Produkt, den Service oder die Plattform am Ende auch kaufen, nutzen und weiterempfehlen werden. Die Bedürfnisse, Ziele und Wünsche dieser Zielgruppe sollten stets die Grundlage von Strategie, Zielen und schließlich Anforderungen des Projekts bilden.

Zu oft passiert es, dass ein ausgeschriebenes Projekt ein Problem adressiert, das nur oberflächlich mit der eigentlichen Nutzergruppe analysiert und besprochen wurde. Es wird umgesetzt und nicht weiter an die sich ändernden Bedürfnisse der Nutzer angepasst – besonders für digitale Projekte ein fataler Fehler.

„When the project is done, it lives there for the next five years (…). And that is actually not very healthy for a software product. Because a software product needs to be worked on and improved continuously. And we need to listen to what the users say.“
Baddy Sonja Breidert | CEO of 1xINTERNET

10. Mehr Flexibilität in den Beschaffungsprozessen.

In der Regel sieht es so aus, dass Unternehmen anfangs bis zu 50% des gesamten Budgets ausgeben und den Rest des Budgets über die nächsten 2 oder 5 Jahre verteilen.

Drehen wir den Prozess um, um ein geringes Mindestbudget für den MVP und den größeren Teil des Budgets danach für Iterationen , Wartung und Verbesserungen zu verwalten.

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11.Denken Sie an das Produkt , nicht an das Projekt .

Abschließend eine der wichtigsten Empfehlungen: Statt in abgegrenzten Projekten zu planen, machen produktbasierte Ausschreibungen ein innovatives Ausbauen der gewünschten Ziele und Lösungen möglich. Ein passender Dienstleister hilft, ein Produkt (= eine Lösung, die ein bestimmtes Ziel verfolgt) Schritt für Schritt zu planen, zu skizzieren, zu entwickeln und fortlaufend zu verbessern.

„(…) it would be so easy – instead of thinking about a project, we should think in a broader contract context, like „we have an idea and we need a service provider which would help us to build this idea, to bring it to life“.
 And instead of asking for a project contract with a fixed timeline, budget and scope that you could ask for a service contract, which would be much easier.“

Rouven Volk | Digital Innovation Specialist

So kann Know-how perfekt ineinandergreifend und langsam im Unternehmen aufgebaut werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse über eine innovative Ausschreibung

Was könnten die Kunden ändern, um den Anbietern dabei zu helfen, Ausschreibungsanforderungen bestmöglich zu erfüllen?

Anstatt zu verlangen, 100 Seiten Anforderungen zu schreiben und den anbietenden Dienstleistern vorzuschreiben, wie sie ihre Arbeit machen sollen:

  • Beschreiben Sie das zu lösende Problem.
  • Beschreiben Sie, weshalb und wofür Sie einen externen Anbieter brauchen (Know-how, Kapazitäten, Schulung, langfristige Betreuen etc.)
  • Erläutern Sie die Sachzwänge.
  • Geben Sie die gesetzlichen Normen an.
  • Geben Sie Einzelheiten über interne organisatorische Prozesse an, Tools, Workflows und Kommunikationswege, die genutzt werden sollen.

„Instead of writing 100 pages of requirements and telling vendor how they should do their job, just describe the problem and what you need to solve and the important thing, are the constraints.“ Rouven Volk | Digital Innovation Specialist

Etwas provokanter zusammengefasst:

Sie brauchen maximal drei Seiten, um das Problem zu beschreiben.

Und das ist alles, was ein Anbieter braucht, um Ihnen eine Lösung für das Problem zu bieten.

Es ist an der Zeit, diese veralteten Verfahren zu ersetzen und den Anbietern die Möglichkeit zu geben, Ideen offen zu kommunizieren.

Und dies bezieht sich nicht nur auf öffentliche Ausschreibungen 😉

Wir sagen DANKE für ein spannendes, humorvolles und wichtiges Gespräch im Virtual Forinte Podcast „ Don’t Kill Innovation With Public Tenders „.

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